Lieder. Songs. Chansons – Quer durch die Jahrhunderte


So lautet der Titel unseres aktuellen Programmes, in dem die unterschiedlichen Musikstile des deutschen, keltischen und amerikanischen Folk, der Bordun- und Mittelaltermusik, Song und Chanson zu einer abwechslungsreichen Melange verschmelzen.

Gambrinus hat Lieder und instrumentale Stücke zusammengestellt, die vom schlichten Volkslied über satirische Lieder bis hin zum anspruchsvollen literarischen Song reichen. Tanzbare Instrumentals wechseln sich ab mit melancholischen Weisen und humorvollen Songs, zum Teil in  Sprachen wie Languedoc oder Bretonisch.

Vorgetragen werden die Lieder in den verschiedensten Vokalkombinationen, oft im bis zu vierstimmigen Satzgesang, gern auch a-capella, meist mit einem Augenzwinkern und  immer mit viel Spielfreude.


Ein paar Beispiele aus unserem aktuellen Repertoire

Galicische Tänze

Diese beiden zusammengefügten Instrumentalstücke kennen wir von der LP „Two à roue“ von Jake Walton (ein  walisischer Liedermacher und Drehleierspieler) und Jez Lowe aus den 80er Jahren, das inzwischen über Waltons Website endlich auf CD erhältlich ist. Wir spielen die Tänze in einer Kombination aus Altdrehleier, Saxofon, Blockflöte und Cister. Einen Demo-MP3-Track der Tänze gibt es auf folkalley.com. Richtig toll aufgenommen gibt es das Instrumental natürlich auf unserer CD Eyah!


Mayn Rue-Plats

Ein  von Morris Rosenfeld (1861-1923), der als russischer Jude nach Amerika emigirerte und wie viele europäische Juden dort sein Glück suchte. Er arbeitete als Schneider und schrieb nebenbei Lyrik. Viele seiner Gedichte wurden vertont und fanden Eingang in die Folktradition. „Majn Rueplats“ ist sowohl ein Liebeslied als auch Hymne der damals entstehenden Arbeiterbewegung.  Einen Demo-MP3-Track des Liedes gibt es ebenfalls auf folkalley.com


Ade, mein Lieb

Ein Abschiedslied aus dem Jahre 1794, aus der Feder des großen schottischen Nationaldichtes Robert Burns (1759–1796). Im Original heißt es: “O my Luve's like a red, red rose, / That's newly sprung in June: / O my Luve's like the melodie, / That's sweetly play'd in tune.“ Die deutsche Textübertragung stammt Renate Mitchell. Uli hat dieses melancholische Lied  Mitte der 80er Jahre von der Gruppe „Liedehrlich” aus der damaligen DDR gehört, der seinerzeit auch im westlichen Teil Deutschlands bekannte Liedermacher Stephan Krawczyk angehörte. Wer sich näher mit dem Werk Robert Burns’ beschäftigen möchte, findet hier reichlich Material: Robertburns.org.


La belle inconnue

Eine Komposition des französischen Drehleierspielers Dider Champion aus der Auvergne, der dieses Instrumentalstück mit seiner Gruppe „Les Brayauds“ für die LP „Couleurs“ eingespielt hat. Auch in unserer Version ist die Drehleier das Hauptinstrument, wobei sich die Begegnung mit der „schönen Unbekannten“ zunächst bedächtig langsam entwickelt, dann aber durchaus eine gewisse Steigerung erfährt…


Au diable les advocats

Dieser Stoßseufzer stammt im vorliegenden Falle nicht von einem Mandanten, sondern von einem jungen Mädchen. Ihr Vater hat sie mit einem viel älteren Advokaten verheiratet, dem es zwar an Virilität, dafür jedoch nicht an Kleingeld mangelt. Wir kennen dieses traditionelle Stück von der frankokanandischen a-capella-Gruppe „Les charbonniers de l‘enfer“ aus Quebec. Und die heizen wirklich höllisch… Als Uli das Original einem französischen Bekannten vorspielte, war dessen Reaktion: „Ooooh, mon dieu! Die `abän  abär eine furschtbarä Aksson!“ – dieser „furchtbare Akzent“ ist nur noch zu toppen, wenn eine deutsche Gruppe dieses Lied auf Französisch singt. Uns macht es trotzdem großen Spaß.


Der Graben

So schließt sich der Kreis: Vor zwanzig Jahren nahmen Mathes und Uli dieses Stück mit ihrer damaligen Band Filou auf—und daher war es sehr willkommen, als unsere Sängerin Christine, Tucholsky-Eisler-Expertin, vorschlug, dieses Stück auch ins Gambrinus-Repertoire aufzunehmen. In der Kombination mit Cister und Alt-Drehleier gewinnt das Stück eine neue Dimension. Gültigkeit hat der Text heute mehr denn je—immer noch wird überall auf der Welt Krieg geführt, immer noch haben die Menschen nicht verstanden, dass man lieber die Bruderhand über den Graben reichen sollte. Die Aufnahme des Liedes  von unserer CD Eyah! schaffte es bis auf Platz 3 der Liederbestenliste des Vereins für deutschsprachige Musik e.V.


The Bergen

Jez Lowe, Liedermacher aus Durham im Nordosten Englands, beschreibt in dieser Ballade das Schicksal eines norwegischen Fischerbootes, das in einem Sturm vor der Küste Northumberlands versank. Die Küstenbewohner bargen die Ertrunkenen und Teile des Wracks und da sie die Namen der Seeleute nicht kannten, schrieben sie den Namen des Schiffes — The Bergen — auf den Grabstein. Lowe erzählt die Geschichte aus der Sicht einer Frau, die Sehnsucht nach ihrem Liebsten hat und sich wundert, wie es ihm wohl gehen mag. Eine Ballade, wie gemacht für Christines Stimme!


A l’entrada del temps clar

Ein mittelalterliches Lied in der Sprache des Langue d‘oc, das den Einzug des Frühlings und das Erwachen der Lebensgeister besingt. Hurra, der Lenz hält Einzug und die Königin ist verliebt! Hoffentlich kommt der König nicht dahinter. Um den Eifersüchtigen zu erzürnen will die Königin allen zeigen, wie groß ihr Verlangen nach Liebe ist – lasset uns tanzen!


Der Teetisch

Christian Johann Heinrich Heine (1797 in Düsseldorf geboren und 1856 in Paris gestorben) war einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts. Heine gilt, so weiß Wikipedia, "als 'letzter Dichter der Romantik' und zugleich als deren Überwinder. Er machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte elegante Leichtigkeit." Mathes vertonte Heines ironisches Gedicht über eine bourgeoise Teegesellschaft mit einer entsprechend leichtfüßigen, angejazzten Melodie.


The Water is Wide

Diese traditionelle Ballade über die Herausforderungen der Liebe ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt und vermutlich englischen oder schottischen Ursprungs. 


Junge Paare auf den Bänken (Les amoureux des bancs publics)

Auch eine Lied über die Liebe, aus der Feder des großen französischen Chansonniers Georges Brassens. Die hochdeutsche Übertragung stammt von Franz Josef Degenhardts 1986 erschienenen LP „Junge Paare auf den Bänken – Franz-Josef Degenhardt singt Georges Brassens“.


Schlemmerlied

Alter und Ursprung des Liedes ungewiss, vermutlich entstand es noch vor dem 15. Jahrhundert. Es war eines der beliebtesten Fress- und Sauflieder, das Schlemmen als Weltanschauung war im Mittelalter sehr beliebt im Sinne von Verprassen. Der Text ist in zeiten der Wirtschaftskrise aktueller denn je und stammt aus dem Opus „Frische Teutsche Liedlein“ (1540) nach einem vierstimmigen Satz von G. Voglhuber. Unsere Vokalsätze orientieren sich an der Liederjan-Version. Danke dafür, Jörg!


Ouwe

Christine brachte uns dieses besinnliche Lied aus der Feder des großen Minnesängers Walther von der Vogelweide  (1170—ca. 1230) bei. Die Vertonung stammt von der Gruppe Ougenweide, die sich in den 70er Jahren mit als eine der ersten mit der modernen Aufarbeitung mittelalterlichen Liedgutes beschäftigte. Wir haben ihre Version leicht entschleunigt, und es zeigt sich, dass keltische Harfe und Alt-Drehleier (ohne Schnarre) eine wunderbare Ko-Existenz einzugehen vermögen.


Tiny Fish for Japan

Stan Rogers (1949-1983) gab dem kanadischen Folksong durch seine oft historisch und lokal geprägten Lieder eine neue Identität. Er zählt deshalb zu den wichtigsten kanadischen Liedermachern. Sein Lied über die Fischerei in den großen kanadischen Seen erzählt von dem harten Alltag der Seeleute, die nur überleben können, wenn sie sich den großen Companies verdingen und Fische für den Export nach Japan fangen.


Madame Goulou

Tätowierungen sind mittlerweile ein weit verbreitetes Phänomen, das nicht mehr nur dem Rotlichtmilieu zugeordnet werden kann. Sie sind so weit verbreitet, dass es immer häufiger sogar zu Schmerzensgeldklagen kommt, wenn z.B. ein sog. Arschgeweih nicht korrekt in der Mitte sitzt und darüber so manche eitle Seele schier zu zerbrechen droht. Es gibt natürlich auch Tatoos, die zu weiteren Erkundungen geradezu einladen, einladen sollen. Und es gibt wahre Wunderwerke an Tatoo-Bildern. Eine Vernissage der besonderen Art für die Dauer einer Nacht verspricht das folgende Lied des zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Dichters Fritz Grasshoff, das Mathes ursprünglich für eine Grasshoff-Reue vertont hat.


Culloden’s Harvest

Ein Lied von Alastair McDonald über die entscheidende Schlacht zwischen englischen Regierungstruppen unter Lord Cumberland und Bonnie Prince Charles’ schottischen Jakobitern am 16. April 1746 bei Culloden in der Nähe von Inverness. In diesem blutigen Gemetzel wurde ein 800 Jahre währender Dauerstreit um die Unabhängigkeit Schottlands und die Vorherrschaft auf der britischen Insel zugunsten der Engländer entschieden. Der Sieg führte zu grausamen Massakern an der Bevölkerung, zur systematischen Unterdrückung der gälischen Kultur und schließlich zu den sog. „clearances“ (die Vertreibung der schottischen Landbevölkerung durch die englischen Landlords zu Zwecken einer groß angelegten Schafszucht). Die Schotten wurden getötet oder zur Auswanderung in andere Staaten gezwungen.


My Ain Country

Dieses Lied erinnert an die Flucht schottischer Jakobiter, die im 17 Jh von Schottland ins verbündete Frankreich fliehen mussten, nachdem ihre Rebellion in der Schlacht bei Culloden von den Engländern niedergeschlagen wurde. Der Text von Allan Cunningham beschreibt die Schönheit Schottlands aus der Sicht des Exils im französischen Bordeaux. Die Melodie ist ein altes gälisches Air.


De Montfort / Magaloufou

Diese beiden Bourrées stammen von Mitgliedern der englischen Danceband Blowzabella. Das erste Stück „De Montfort“ wurde von der Saxofonistin Jo Freya komponiert, das zweite von dem  Dudelsackspieler Paul James.